Die kalte und die warme Seite der Empathie
Warum Du die kalte Seite kennen solltest, um nicht „eiskalt“ überrascht zu werden
Du bist in einem Meeting. Dein Chef spricht ruhig, wohlüberlegt, fast fürsorglich. Er sagt Dinge wie: „Ich weiß, das war viel in letzter Zeit – aber ich vertraue darauf, dass Du das packst.“ Du fühlst Dich gesehen. Kurz darauf bekommst Du das dritte Zusatzprojekt auf den Tisch. Keine Diskussion. Nur ein Blick, der sagt: „Du willst mich doch nicht enttäuschen, oder?“
Boom. Willkommen im Schattenreich der Empathie.
Die Empathie, von der Du noch nie gehört hast
Empathie ist nicht automatisch gut. Sie ist kein Kuschelfaktor. Sie ist ein Werkzeug. Man kann mit ihr Brücken bauen — oder Marionettenfäden spannen.
Wir reden immer von der „warme Seite“: zuhören, fühlen, sich einlassen. Doch es gibt auch die „kalte Seite“ — kognitive Empathie. Und die ist verdammt effektiv.
Sie hilft Menschen, andere zu durchschauen. Reaktionen vorherzusehen. Triggerpunkte zu finden. Alles schön — solange sie für Verbindung genutzt wird. Aber wehe, sie dient dem eigenen Vorteil.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag – die mehr mit Dir zu tun hat, als Du denkst
Sarah, Projektleitung. Sie brennt für ihren Job. Ihr Chef lobt sie regelmäßig: „Du bist ein Naturtalent. Ich sehe das in Dir.“ Sie bekommt mehr Verantwortung. Mehr Projekte. Mehr Lob.
Aber auch: weniger Schlaf. Kein Nein. Viel Druck. Und immer, wenn sie aufbegehrt, kommt ein Satz wie:
„Ich hätte nie gedacht, dass Du mir das jetzt antust.“
Das ist nicht Empathie. Das ist Steuerung im Tarnanzug.
Fakten, die wachrütteln:
- Laut einer Studie der Uni Graz zeigen Menschen mit hoher kognitiver Empathie, aber niedriger emotionaler Beteiligung, ein erhöhtes Maß an Manipulationsverhalten (2021, Schwarzinger/Schuler).
- 78 % der befragten Führungskräfte setzen gezielt Strategien ein, um Mitarbeiterverhalten zu steuern – oft auf Basis psychologischer Einschätzungen, wie interne HR-Reports zeigen (Quelle: HBR, 2023).
- Besonders heikel: Narzisstisch geprägte Persönlichkeiten schneiden bei kognitiver Empathie überdurchschnittlich hoch ab, bei Mitgefühl aber signifikant niedriger. Sie verstehen Dich – fühlen aber nichts dabei.
Und Du? Wie nutzt Du Deine Empathie?
Hier ist keine Moralkeule gefragt, sondern Klarheit. Kognitive Empathie zu besitzen ist nicht schlecht – im Gegenteil. Sie hilft Dir in Führung, Beratung, Coaching, sogar im Elternsein.
Aber: Wie setzt Du sie ein?
- Willst Du wirklich helfen – oder nur gewinnen?
- Wie oft hörst Du zu, um zu verstehen – und wie oft, um zu reagieren?
- Denkst Du beim Gespräch schon einen Schritt weiter – und wenn ja: in welche Richtung?
3 rote Flaggen, dass Du gerade „bespielt“ wirst:
- Du hast das Gefühl, jemand liest Deine Gedanken – aber seine Reaktion passt zu seinen Zielen, nicht zu Deinen Bedürfnissen.
- Deine Offenheit wird belohnt – mit Abhängigkeit.
- Es gibt keine echten Widersprüche mehr – Du wirst immer subtil „abgeholt“. Klingt gut. Ist aber glatt. Zu glatt.
Fazit: Die kalte Seite der Empathie ist real. Aber sie muss nicht eiskalt sein.
Du willst wirken, führen, inspirieren? Dann kenne Deine eigene Wirkung. Und vor allem:
Verwechsele nie Empathie mit Nettigkeit.
Empathie ist kein Schokoriegel. Sie ist ein Skalpell.
Nutze sie mit Respekt, mit Haltung – und im Wissen, dass Dein Gegenüber es verdient, nicht nur verstanden, sondern auch geachtet zu werden.
Denn:
Die Fähigkeit zu fühlen macht Dich menschlich. Die Fähigkeit zu verstehen macht Dich klug. Aber die Fähigkeit beides zu verbinden – macht Dich echt.
Herzlichst,
Ihre Barbara Blagusz
PS: Lies gleich im nächsten Artikel weiter – dort geht es darum, wie du diese kalte und warme Empathie in der Stimme hören kannst.
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Über die Autorin -Barbara Blagusz
Mag. Barbara Blagusz ist die einzige Stimm- und Sprechtechniktrainerin im deutschsprachigen Raum, die direkt aus dem Verkauf kommt.
Die seit über 20 Jahren erfolgreiche Trainerin und Speakerin verbindet überzeugend wissenschaftliches Know How mit wertvollem Nutzen für den Alltag – Praxistipps für den Verkaufsprofi sozusagen. In diesem Blog erwartet Sie eine Fülle an Beispielen aus der Praxis – rund um Stimme- Sprechtechnik und überzeugende Sprache. Vor allem wie und wo Sie mit verblüffend einfachen Methoden überzeugender sind. Ob im Berufsalltag beim skeptischen Kunden, wenn Sie Ihren Partner vom nächsten Urlaubsziel überzeugen wollen oder, wenn Ihre Kinder endlich Ihr Zimmer aufräumen sollen – Hier finden Sie Tipps, wie und wo sie ansetzen können, damit Sie wirklich etwas bewirken.

